• Roma in Europa

Rumänien

Als die Rom_nija, wahrscheinlich ab dem 14. Jahrhundert, in das Gebiet des heutigen Rumäniens wanderten, wurden sie bald nach ihrer Ankunft in den damals autonomen Fürstentümern Walachei und Moldau zu Sklaven der Fürsten gemacht. Die Sklaverei wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschafft.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein Prozess der Selbstorganisierung und der politischen Arbeit um Anerkennung und rechtliche Gleichstellung der Rom_nija.

Ende der 1930er Jahre übernahmen profaschistische Kräfte die Macht im Land. 1940 wurde Rumänien ein Verbündeter Hitler-Deutschlands. Die Vernichtung der Juden und Rom_nija wurde von den rumänischen Behörden mit deutscher Unterstützung durchgeführt. Etwa 160.000 Juden und zwischen 26.000 und 36.000 Rom_nija wurden deportiert, in Ghettos und Konzentrationslager gebracht und kamen durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Erschießungen zu Tode.

1948 wurde Rumänien eine Volksdemokratie und nach sowjetischem Muster umgestaltet. Rom_nija wurden zwangsangesiedelt und zur Fabriksarbeit gezwungen. Ihr Besitz wurde ihnen abgenommen, vor allem Schmuck, der als Familienkapital galt. Die Politik schürte Hass und Missgunst - innerhalb der Geheimpolizei, der Securitate, gab es ein Einstellungsverbot für Menschen mit "pigmentierter Hautfarbe".

Vom Sturz von Ceausescu und der Revolution, 1989, erwarteten sich viele Rom_nija eine Verbesserung der sozialen und gesellschaftlichen Situation. Jedoch wurden diese Hoffnungen bald enttäuscht, stellte doch die neue Regierung die Rom_nija als nationale Gefahr für Rumänien dar.

Laut offiziellen Zählungen leben in Rumänien 535.250 Rom_nija. Roma-Organisationen schätzen die tatsächliche Anzahl der im Lande lebenden Rom_nija auf 1,8 bis 2,5 Millionen, die sich in etwa dreißig eigenständige Gruppen aufgeteilten (u.a. Kalderasch, Curari, Ursari, Ferari, Lautari). Rumänien hätte damit die größte Roma-Population Europas, wenn nicht der ganzen Welt. Rom_nija sind in Rumänien offiziell als Minderheit anerkannt. Das Verbot rassistischer Diskriminierung ist in der rumänischen Verfassung verankert und das Strafgesetz regelt das Verbot rassistischer Hetze in eigenen Paragrafen, spezifische Anti-Diskriminierungsgesetze existieren jedoch nicht.

Von 1989 bis 2020 kam es in Rumänien zu etwa 30 Pogromen gegen Rom_nija, in denen mehrere Rom_nija getötet und ihre Häuser in Brand gesteckt wurden. Mehrere hundert Rom_nija wurden zur Flucht gezwungen. Diese Übergriffe blieben weitgehend rechtlich folgenlos. Viele Opfer dieser Pogrome endeten in den Außenbezirken von Bukarest, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, aber keine Aufenthaltsgenehmigung erwerben können. Während der letzten Jahre kam es zu häufigen Polizeirazzien in Romasiedlungen. Die beteiligten Polizeioffiziere wiesen dabei nur in Einzelfällen Durchsuchungsbefehle vor. Menschen wurden mit Gewalt aus ihren Häusern geholt und von der Polizei festgehalten, ohne dass Anklage gegen sie erhoben wurde. Mehreren Berichten zufolge kam es während dieser Razzien zu schweren Verletzungen und Todesfällen. Die Arbeitslosigkeitsrate unter den rumänischen Rom_nija liegt bei 80% bis 90%. Rund 80% der rumänischen Rom_nija sind ungelernte Arbeitskräfte, und nur 3% von ihnen verfügen über eine moderne Berufsausbildung. Eine große Anzahl von Romakindern ist völlig vom Bildungssystem ausgeschlossen, denn zur Einschreibung in der Schule fehlen ihnen die notwendigen Aufenthaltsgenehmigungen, die viele Rom_nija nicht erwerben können. Andere Romakinder werden in ethnisch segregierten Klassen oder Schulen unterrichtet, wo sie im Vergleich zu Nicht-Rom_nija-Schülern keinen qualitativ gleichwertigen Unterricht erhalten.

Weiterführende Links zum Thema:

https://www.deutschlandfunk.de/roma-in-rumaenien-leben-ohne-perspektive-100.html

https://www.nordstadtblogger.de/roma-in-rumaenien-die-vielfaeltigen-teufelskreise-der-armut-einer-marginalisierten-und-verfolgten-ethnischen-minderheit/

https://www.fr.de/panorama/dem-elend-ein-ende-90195009.html

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.