• Roma in Europa

Kroatien

Während des 2. Weltkrieges war Kroatien ein Satellitenstaat Hitlers. Die dort herrschende „Ustascha“-Regime deportierte Roma ab Mai 1942 in das Konzentrationslager Jasenovac, dessen Wachmannschaften für ihre besondere Grausamkeit berüchtigt waren. Die Gedenkstätte Jasenovac konnte über 16.000 ermordete Roma identifizieren, ein Drittel der Opfer waren Kinder.[1]

Laut den Ergebnissen der Volkszählung 2001 betrug die Anzahl der in Kroatien lebenden Rom_nija 9.463 Personen. Inoffizielle Schätzungen, die bis zu 150.000 oder sogar 300.000 Personen reichen, erscheinen aber unwahrscheinlich, 40.000 bis 50.000 hingegen eher realistisch. Die Verfassung von 1990 und ihre Novellierung im Jahre 1997 erwähnen die Rom_nija nicht unter den nationalen und anderen Minderheiten Kroatiens. Das Verfassungsgesetz über die Rechte nationaler Minderheiten aus dem Jahr 2002 definiert überhaupt keine Gruppen namentlich, garantiert jedoch jeder nationalen Minderheit mit mehr als 1,5% Bevölkerungsanteil eine parlamentarische Vertretung.

Das Hauptproblem, dem Rom_nija in Kroatien gegenüberstehen, ist die Aussichtslosigkeit, die kroatische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Vielen Rom_nija aus anderen Teilen der ehemaligen Republik Jugoslawien wurde die Staatsbürgerschaft nach dem neuen kroatischen Staatsbürgerschaftsgesetz 1991 verweigert, ein kleiner Prozentsatz besitzt die bosnische oder mazedonische Staatsbürgerschaft, der Rest ist staatenlos.

Dadurch wird es für die meisten Rom_nija fast unmöglich, Handelskonzessionen zu erwerben und sie werden in marginalisierte Teile des Arbeitsmarktes gedrängt. Viele Romakinder heben keinen Schulabschluss, da sie nicht selten in der zweiten oder dritten Klasse ausgeschieden sind. Nach Angaben von Romasprechern haben rund 90% der auf dem Territorium Kroatiens lebenden Rom_nija keine Sekundarschule besucht. Es gibt einige Schulen, in denen Romakinder getrennt von den übrigen Schülern unterrichtet werden. Mit spezieller Genehmigung durch das kroatische Unterrichtsministerium wurde im Jahre 1997 im Zagreber Viertel von Kozari Put eine eigene Romaschule gegründet, in der 60 bis 70 Kinder unterrichtet werden können.

Jedoch gibt es auch in Kroatien eine anhaltende Diskriminierung und Stigmatisierung:

„Kroatische Roma-Kinder gehen zwar in die Schule, meist aber nur in reine Roma-Klassen – und erhalten dort wiederum nur qualitativ schlechte Ausbildung. Und ein osteuropäischer Regierungschef liebäugelte gar mit der Idee, Roma-Kinder aus ihren Familien zu holen und sie in Internaten zwangseinzuschulen. Erst dessen Roma-Beauftragter winkte ab: Geht gar nicht.“[2]

Weitere Links zum Thema:

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/europa/487791_Kroaten-hindern-Roma-Kinder-am-Schulbesuch.html

 

[1] https://www.sintiundroma.org/de/voelkermord-in-europa/kroatien/

[2] https://kurier.at/chronik/weltchronik/roma-in-europa-leben-mit-verachtung-und-hass/32.302.368

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