Die Roma im 17. - 18. Jahrhundert - Nach dem Krieg beginnt die Verfolgung

01-4 4Im gesamten osmanischen Reich wurden die Roma, als eines von vielen nomadisch lebenden Völkern, nicht besonders diskriminiert. Als die Türken aus Ungarn vertrieben wurden, waren sie wieder weitgehend rechtlos.

Da keine unmittelbare Kriegsgefahr mehr gegeben war und die Roma als Waffenschmiede und Soldaten nicht mehr gebraucht wurden, waren ihnen nun die adeligen Grundherrn nicht mehr wohl gesonnen. Es kam zu schlimmen Verfolgungen und Vertreibungen von Roma aus dem westungarischen/ heute burgenländischen Raum.

Bereits ein Jahr nach der Rückeroberung Ungarns wurde gesetzlich festgelegt, dass alle Roma des Landes zu verweisen wären - alle, die sich dagegen wehrten, sollten mit dem Schwert hingerichtet werden.

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Landesverweis mit Androhung drakonischer Strafen

Am 1. Oktober 1689 wurde ein offenes Patent publiziert:

"Alle im Land herumstreifenden Zigeuner samt ihren Frauen und Kindern und anderem Gesindel seien des Landes zu verweisen. Männer, die in flagranti erwischt würden und Frauen, die ohne ihren richtigen Ehemann angetroffen würden, sollten ohne Prozeß und Urteil sofort mit dem Schwert hingerichtet werden. Frauen, die ordentlich verehelicht seien und ihren Männern folgten, weiters Söhne und Töchter bis zum 18. Lebensjahr, die mit ihren Eltern zögen, sollten nicht hingerichtet, aber lebenslänglich eingesperrt und zur Arbeit condemniert werden, und von deren Kinder sollten in die Spitäler oder in Dienst getan werden."

Dasselbe Patent wurde am 22. November 1689 nochmals allen Ämtern zur Kenntnis gebracht.


„Zigeunerjagen“ die Verfolgung unter Karl VI.

01-4-3 1In jener Epoche, in der das Barock seine höchste Prachtentfaltung erlebte, in der großartige Bauten entstanden (Karlskirche, Stift Melk), in der Johann Sebastian Bach wirkte und Gedanken der Aufklärung verbreitet wurden, ging man unglaublich brutal und unmenschlich gegen die Roma vor.

Karl VI. (1711-1740), der Vater von Maria Theresia, war römisch-deutscher Kaiser und König von Ungarn. Er musste verschiedene außenpolitische Niederlagen hinnehmen (Verzicht u.a. auf Spanien, Serbien, die kleine Walachei), konnte aber mit seinem Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen auch zahlreiche Siege verzeichnen. Der Bau der Karlskirche erfolgte auf seinen Auftrag hin. Er war jener, der die Roma am schlimmsten verfolgte.

1720 bestimmte eine kaiserliche Verordnung Karls VI., dass die "Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel in Österreich" ausgerottet werden sollten.

1725 erließ Kaiser Karl VI. eine Verordnung, die besagte, dass die Roma gefangen genommen werden sollten; diejenigen, die Straftaten begangen hätten, sollten hingerichet werden, die anderen aber mit einem Brandzeichen am Rücken gekennzeichnet und unter Androhung der Enthauptung bei der Rückkehr abgeschoben werden. Dies wurde v.a. in den österreichischen Gebieten vollzogen.

1726 ordnete Karl VI. an, dass alle männlichen Roma hinzurichten sind und den Frauen sowie Kindern unter 18 Jahren ein Ohr abzuschneiden ist.

Daher flüchteten viele Roma nach Ungarn, weil sie glaubten, dass die adeligen Grundherrn ihnen Schutz bieten könnten. Es wurden Warntafeln für Roma errichtet, auf denen die Strafen abgebildet wurden, falls die österreichischen Landesgrenzen überschritten wurden. Diese Warntafeln 

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wurden als "Zigeunerpflöcke" bezeichnet. Solche Warntafeln wurden auch an der steirisch-ungarischen Grenze aufgestellt.

Bald wurden die Roma auch in Ungarn verfolgt. 
1748 wurde in der Herrschaft Esterhazy angeordnet: "In den fürstlichen Ortschaften sollen weder ungarische, noch deutsche Zigeuner geduldet werden. Bei Zuwiderhandeln soll der Ortsrichter zur Verantwortung gezogen werden und selbst eine Strafe von 12 Gulden erlegen, wenn er Zigeuner nur eine Stunde lang in der Nähe des Dorfes oder Marktes dulde."

Als Folge dieses Rundschreibens war nun die Bevölkerung auch im westungarischen/heute burgenländischen Raum so aufgewiegelt, dass sie sich an der Vertreibung der Roma beteiligte. Diese ungemein grausamen Verfolgungen wurden als "Zigeunerjagen" bezeichnet und in Dokumenten oft als abenteuerliches Ereignis dargestellt.


Roma unter Maria Theresia

01-4-4 1Maria Theresias Regierungszeit war gekennzeichnet durch zahlreiche Reformen. Sie führte ein einheitliches Abgabensystem für die Bauern ein, ließ das Land erstmals vermessen und reformierte das Beamten-, Schul- und Fürsorgewesen. Maria Theresias Politik gegenüber Roma unterschied sich grundlegend von jener der Herrscher vor ihr. Nicht Vertreibung und Verfolgung, sondern rigide Kontrollen und grausame Maßnahmen zur Veränderung der Lebensweisen, das heißt Anpassung an die der bäuerlichen Bevölkerung, bestimmten ihre Politik gegenüber den Roma.

Quelle: Mayerhofer Claudia: Dorfzigeuner. Kultur und Geschichte der Burgenland-Roma von der Ersten Republik bis zur Gegenwart, Wien, 1987, S. 23 f


Vier Verordnungen, die das Leben der Roma entscheidend veränderten

  1. Verordnung: 
1758 wurde den Roma verboten, Pferde und Kutschen zu besitzen, und sie wurden gezwungen, sich anzusiedeln. Damit hatte man viele ihrer Lebens- und Einkommesgrundlage (Pferdezucht, Wanderhandwerk, Handel) beraubt. Sie erhielten von den Grundbesitzern Baugrund und Baumaterialien, wofür sie Abgaben leisten mussten. Der Baugrund, der den Roma zur Verfügung gestellt wurde, lag meist am Ende oder außerhalb der Dörfer. 
Die Roma durften nur mit Erlaubnis und genauer Zielangabe die Dörfer verlassen. Der Dorfrichter hatte die Pflicht, die Roma ständig zu kontrollieren und über sie monatlich Bericht zu erstatten.
  2. Verordnung: 
Die Roma erhielten andere Nachnamen. Da ein üblicher Nachname "Zigani" war, wurden sie sodann Neubauer oder Neubürger, Neusiedler oder Neuungar benannt. Die jungen Männer sollten ein Handwerk erlernen und zum Militär einberufen werden. Jedoch weder das Militär, noch Manufakturen oder Handwerker stellten Roma ein.
  3. Verordnung: 
Früher verwalteten sich die Romagemeinden und Romagruppen selbst, sie hatten einen Wojwoden als Vorstand, der Recht gesprochen hat. Nun wurde ihnen dieses Recht genommen, alle Roma wurden der örtlichen Gerichtsbarkeit (Dorfrichter, Komitatsgericht) unterstellt. Weiters wurde in jedem Dorf eine genaue Registrierung der Roma angeordnet.
  4. Verordnung: 
Den Roma wurde verboten untereinander zu heiraten. Die Ehen mit Nichtroma wurden gefördert. Der grausamste Abschnitt dieser Verordnung war, dass den Familien alle Kinder über fünf Jahren abgenommen und Nicht-Roma Familien zur Erziehung übergeben werden sollten. Die Verordnung wurde in bestimmten ungarischen Komitaten immer wieder ausgeführt, die Kinder wurden Alter von 12 Jahren bei anderen Familien als Dienstboten eingesetzt.
 
Joseph II

01-4-5 1Maria Theresias Sohn setzte die Politik seiner Mutter fort. 1783 befreite er zwar die Roma in der Bukowina aus der Leibeigenschaft, bis dahin, mussten sie als Sklaven in Klöstern und bei Adeligen verschiedenste Dienste leisten. Im selben Jahr gab er Richtlinien zur Behandlung der Roma heraus, "de Domicilatione et Regulatione Zingarorum", die u.a. besagten:

-Die Roma durften sich nicht in Wäldern ansiedeln, sondern nur in Orten, wo sie besonders kontrolliert werden konnten.

-Das Wandern wurde verboten. Die Dörfer durften sie nur an Jahrmärkten und bei besonderer Notwendigkeit verlassen.

-Pferde durften nur als Arbeitstiere gehalten werden. Der Pferdehandel war verboten.

-Die Roma mussten die Sprache und Kleidung der Dorfbevölkerung annehmen.

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-Bei Gebrauch der eigenen Sprache, Romanes, drohte eine Strafe von 24 Stockstreichen.

-Roma durften untereinander nicht heiraten.

-Nur wenn es die Behörde als notwendig erachtete, durften Roma als Schmiede arbeiten.

Quelle:
Mayerhofer Claudia: Dorfzigeuner. Kultur und Geschichte der Burgenland-Roma von der Ersten Republik bis zur Gegenwart. Wien, 1987, S. 27 f


Kinderraub

01-4-6 3Besonders grausam war die Politik gegenüber den Kindern. Joseph II. hielt daran fest, dass die Kinder ab dem 4. Lebensjahr den Eltern weggenommen und bei Pflegeeltern in anderen Herrschaften aufwachsen sollten. 
Aus Dokumenten und Registrierungen geht hervor, dass 1786 in den Bezirken Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf 17 Familien und in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf 72 Familien lebten. Von den 227 Kindern wuchsen nur 74 Kleinkinder bei den Eltern auf, 60 wurden zu Pflegeeltern gebracht, 93 mussten bereits als Knechte und Mägde bei Bauern arbeiten und wohnen.

Nach dem Tod Josephs II. wurde diese rigide Politik eingestellt. Aufgrund außenpolitischer Schwierigkeiten beschäftigte man sich nicht mehr so eindringlich mit den Minderheiten des eigenen Landes. Die negative Grundeinstellung blieb allerdings erhalten.

Liste der nach Deutsch Tschantschendorf umgesiedelten Kinder 1782

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Kinderraub seitens der Behörden – Ein Reisebericht

01-4-7 1Die Praxis der gewaltsamen Abnahme der Kinder und deren Erziehung bei Bauern setzte sich in den nachfolgenden Jahrzehnten fort.

Aus einem Reisebericht einer französischen Schriftstellerin aus dem 19. Jahrhundert, die Augenzeugin eines "Kinderraubs seitens der Behörden wurde"...

"An einem für dieses Volk entsetzlichen Tag, an den es noch mit Schrecken zurückdenkt, erschienen an allen Orten Ungarns, wo sich Zigeuner befanden, von Soldaten begleitete Karren. Die Kinder, vom eben entwöhnten Säugling bis zu den Jungvermählten, die noch ihre Hochzeitskleider trugen, wurden von ihnen fortgenommen. Die Verzweiflung dieser unglücklichen Bevölkerung lässt sich nicht beschreiben. Die Eltern warfen sich vor den Soldaten auf den Boden und klammerten sich an die Karren, die ihre Kinder entführten. Sie wurden mit Stöcken und Gewehrkolben weggestoßen, und da sie nicht fähig waren, den Wagen zu folgen, auf dem das Teuerste auf der Welt aufgeladen war, nämlich ihre kleinen Kinder, begingen viele Eltern auf der Stelle Selbstmord."

aus Jean-Paul Clebert : Die Zigeuner. Wien, Berlin, Stuttgart, 1964. S. 87


Menschen und Grenzen versperren uns den Weg

Nach dem Tod Josephs II. wurden die Konskriptionen und ständigen Kontrollen eingestellt, die Gesetze gegen die Roma blieben nach wie vor aufrecht. Trotz dieser widrigen Umstände dürften bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 3000 Roma auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes sesshaft geworden sein. 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Zuzugsbestimmungen für ungarische Roma in den österreichischen Teil der Monarchie verschärft. 1870 erließ Ungarn ein Ausreiseverbot für Roma, und die im österreichischen Gebiet angetroffenen Roma wurden wieder nach Ungarn abgeschoben. In den burgenländischen, damals westungarischen Dörfern, kam es zu einem massiven Zuzug sogenannter "deutscher Zigeuner", das heißt deutschsprachiger Roma aus Westungarn. Die Gemeinden versuchten diese Ansiedlungen zu verhindern, da sie die gesamten Kosten dafür tragen mussten. Laut einer Anweisung der Komitatsverwaltung Eisenburg an die zuständigen Ämter mussten alle Roma auch mit ihren Spitznamen registriert werden, um sie besser kontrollieren zu können. 1888 gab das Innenministerium einen Erlass heraus, nach dem die Behörden massiv gegen wandernde Roma vorzugehen hatten. 
Um eine weitere Zuwanderung zu verhindern, wurde 1909 verfügt, alle wandernden Roma-Gruppen sofort zu verhaften. Diese Verordnungen trafen die burgenländischen Roma sehr hart. Viele von ihnen übten nämlich - wie zahlreiche andere Handwerker auch - ein so genanntes Störgewerbe aus, das heißt, sie zogen als Kessel- und Kupferschmiede, Scheren- und Messerschleifer, Rastelbinder, Musiker und Bärenführer von Frühjahr bis Herbst von Dorf zu Dorf.

Quelle: 
Baumgartner, Gerhard: 6x Österreich. Geschichte und aktuelle Situation der Volksgruppen. Herausgegeben von Ursula Hemetek für die Initiative Minderheiten. Klagenfurt: Drava, 1995, S. 116 
Mayerhofer, Claudia: Dorfzigeuner. Kultur und Geschichte der Burgenland-Roma von der Ersten Republik bis zur Gegenwart. Wien, 1987


Lowara und Walachische Roma

01-4-9 1Aus Konskriptionen im Komitat Wieselburg in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts kann man erkennen, dass sich neue zugewanderte Gruppen von Roma im Gebiet Wieselburg aufhielten. In den Orten Frauenkirchen, Deutsch Jahrndorf, Wallern, Nickelsdorf, Illmitz, St. Andrä, Apetlon, Zurndorf, Andau, Tadten u.v.m. boten Pferdehändler ihre Tiere an.

Die Lowara kamen aus der Karpato-Ukraine in das Gebiet des heutigen Nordburgenlandes und hielten sich vorwiegend im Seewinkel auf. Auch sogenannte "Trogmacherzigeuner" (Olah-Cigan) wanderten bis zum Ersten Weltkrieg von Mittel- nach Westungarn, dem heutigen Burgenland. Es waren walachische Roma, die in den Sommermonaten mit Pferd und Wagen unterwegs waren und ihre Dienste und Waren anboten.

Ab 1909 gingen Ämter und Behörden besonders hart gegen die Lowara vor. Entweder sollten die wandernden Roma zur Ansiedlung gezwungen oder vertrieben werden - für beide Vorgehensweisen waren Gesetze vorhanden.
Um sie am Weiterwandern zu hindern, wurden den Roma in allen Komitaten die Zugtiere und Wagen abgenommen. Pferde und Esel durften Roma nur noch mit polizeilicher Erlaubnis kaufen.


Am Rand der Gesellschaft verwiesen – Romasiedlungen in Oberwart, Unterwart, Stegersbach und anderswo

01-4-10 1Eine statistische Erfassung der Roma im Eisenburger Komitat wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt. So erfolgte 1880 eine genaue Erhebung aller Roma im Komitat, die so genannte "Zigeunerkonskription". Eine weitere wurde 1893 durchgeführt. Diese Erhebungen geben widersprüchliche Auskünfte, da die Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Roma nie fehlerfrei aufgenommen wurde. Denn es wurden nur die größeren Romasiedlungen im südlichen Burgenland berücksichtigt. Nach den Konskriptionen von 1881 waren Bernstein mit 158 sesshaften Roma, Neustift an der Lafnitz mit 70 und Buchschachen mit 74 die größten Romasiedlungen. Im Bezirksvorort Oberwart lebten damals angeblich 58, in Unterwart 41, in Spitzzicken 27 und in Stinatz fünf Roma. Andere Erhebungen weisen deutlich höhere Zahlen auf.Die Roma konnten sich nicht selbst aussuchen, an welcher Stelle in der Gemeinde sie siedeln wollten. Es wurden ihnen Plätze zugewiesen, die meist am Ortsrand oder außerhalb der Dorfgrenzen lagen, in einem abwegig gelegenen Graben oder in einem feuchten, unwegsamen Gelände. Wenn von der Gemeinde der Platz plötzlich für andere Zwecke verwendet werden sollte, wurden die Roma zwangsweise umgesiedelt. Dies war möglich, da das Siedlungsgebiet immer im Eigentum der Gemeinde oder der Grundherrschaft blieb. Mangels Quellen ist die Geschichte der Romasiedlungen nur in einzelnen Orten, und da nur teilweise nachvollziehbar, u.a. in Oberwart, Unterwart, Stegersbach und Kemeten.


Oberwart - „Czigánynegyed“

01-4-10-1 1Die Romasiedlung in Oberwart wurde mehrmals von der Gemeinde verlegt. 
Die erste Siedlung hat sich im westlichen Ortsteil (Obertrumm) befunden, wo 
die ersten Hütten von "Cigánynegyed" (ungarisch: Zigeunersiedlung) zwischen 1857 und 1876 enstanden. Eine weitere Siedlung ist einige Jahre später an der nordwestlichen Gemeindegrenze Unterwarts errichtet worden. Die Bevölkerungsanzahl ist kaum zu ermitteln, da die erhobenen Daten sehr widersprüchlich sind. Laut Volkszählung von 1880 waren angeblich 142 Roma in Oberwart wohnhaft.
Im Rahmen einer "Zigeunerkonskription", die das "Königlich ungarische statistische Bureau" 1893 in Ungarn durchführte, wurden alle großen Siedlungen gesondert erfasst. Als "groß" galt, wenn eine Kolonie mehr als 100 Bewohner hatte bzw. wenn sie mehr als 50 Bewohner hatte, diese aber mindestens zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Dabei wurde Oberwart nicht erwähnt, d.h. dass in der Siedlung wahrscheinlich weniger als 100 Bewohner lebten.


Unterwart - „Cigányoavas“

Der erste Nachweis für die Anwesenheit von Roma in Unterwart stammt aus dem 18. Jahrhundert. 1720 wird in den Taufbüchern die Geburt eines Kindes der Eltern Cigány Jankó und Katharina vermerkt. Eine dauerhafte Siedlung gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht. 1879 beschloss die Gemeindevertretung auf dem Ried "Hagonhegy" ein eigenes Haus für Roma zu errichten. Noch im selben Jahr wurde von der Gemeindevertretung bestimmt, dass in diesem Ried ausschließlich Roma siedeln sollten. Der Ortsteil wurde "Cigányoavas" bezeichnet.


Stegersbach - „Zigeunergraben“

01-4-10-3 1Die ersten Nachweise von Roma in Stegersbach sind den Pfarrmatrikeln zu entnehmen, worin Roma ab 1770 immatrikuliert wurden.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand im Gebiet der heutigen Berggasse eine Romasiedlung. Entlang eines großen Grabens, der sich vom Rand des Ortszentrums nach Stegersbach-Bergen zieht, wurden Häuser fast ausschließlich von Roma erbaut. Im Laufe der Zeit entstand hier eine Siedlung, die von den Gadsche (Nichtroma) als "Zigeunergraben" bezeichnet wurde; diese Bezeichnung ist heute noch in Verwendung, obwohl sich hier nur mehr einige wenige Häuser von Roma und mehrheitlich Häuser von Gadsche befinden. Fotos um 1930 zeigen, dass es sich um Holzblockbauten handelte, die mit Lehm beworfen waren, bzw. aus Lehm gesatzte Häuser, die meist mit Schindeln gedeckt waren. Aus der Stegersbacher Pfarrchronik ist zu entnehmen, dass "sich 1930 27 Hütten, 1938 45 Hütten im Zigeunergraben befinden". Weiters geht aus der Pfarrchronik hervor, dass 1927 156 Roma, 1933 210 und 1938 275 Roma in Stegersbach lebten.


Kemeten - „Zigeunerriegel“

Über die Ursprünge der Roma in Kemeten ist wenig bekannt. Vermutlich sind die ersten Roma im Zuge der Zwangsansiedelung unter Maria Theresia und Josef II. nach Kemeten gekommen. Erste Aufzeichnungen liegen ab der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts vor. Die Roma wohnten in Kemeten auf einer Anhöhe am Ortsrand im Südwesten der Gemeinde, dem so genannten "Zigeunerriegel". 

Aus der Ortschronik ist zu entnehmen: "Aufgrund einer statistischen Erhebung hat es im Jahr 1900 in Kemeten (...) 1464 Einwohner, davon 3 Ausländer und 33 Auswanderer gegeben. (...) 14 Ungarn, 1396 Deutsche, 4 Kroaten, 50 Zigeuner, 1121 Katholiken, 336 Lutheraner und 7 Juden."

1910 lebten 55 Roma in Kemeten.