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1512
wurden Roma erstmals urkundlich erwähnt. Gustav I. (1496-1560), König
von Schweden erklärte sie zu Verrätern und ordnete die Vertreibung an.
Über die Jahrhunderte hinweg gab es immer wieder Einreise- und Aufenthaltsverbote.
(Roma2000)
Schweden
Die schwedische Romabevölkerung wird auf 15.000 bis 20.000 Personen geschätzt. Die größte Gruppe stellen die so genannten "Finnischen Roma" – die in der Mehrzahl auch Finnisch sprechen – dar, gefolgt von den "Schwedischen Roma", die eine Nordische Romani-Sprache sprechen und ursprünglich in den 1920er Jahren aus Russland und Frankreich nach Schweden kamen, sowie den Nicht-Nordischen Roma, die in den 1960er und 1970er Jahren aus verschiedenen Ländern Mitteleuropas nach Schweden kamen. Die ersten Roma kamen bereits im 16. Jahrhundert nach Schweden, und bis ins 20. Jahrhundert waren viele von ihnen in Traditionsberufen als Pferdehändler und Silberschmiede tätig. In den 1950er Jahren begannen viele Roma - im Zuge eines staatlich finanzierten Programms zur Integration der Roma in die schwedische Wohlfahrtsgesellschaft - sesshaft zu werden. 1945 unterzeichneten Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland einen Vertrag zur Schaffung eines gemeinsamen skandinavischen Arbeitsmarktes, was die Migration zwischen den einzelnen Ländern wesentlich erleichterte. Die meisten der Nicht-Nordischen Roma besitzen nicht die schwedische Staatsbürgerschaft und haben nur Flüchtlingsstatus. Mit der Novellierung der schwedischen Verfassung im Jahre 1974 wurden weitgehende Reformen eingeleitet, in deren Zuge der Unterricht – gemeinsam mit Unterrichtsunterlagen – in verschiedenen Romasprachen eingeführt wurde und ausländische Roma auf lokaler und regionaler Ebene das aktive Wahlrecht erhielten. Doch Schwedens Umgang mit seiner Romabevölkerung war äußerst kontroversiell. Angeblich führte die schwedische Regierung an Tausenden von Romafrauen Zwangssterilisierungen durch, um die Gesellschaft von ihrer Meinung nach rassisch minderwertigen Typen zu säubern. Die Operationen begannen 1935 und endeten erst im Jahre 1976. Das Programm hatte seinen Ursprung in der um die Jahrhundertwende populären Eugenik-Bewegung, die darauf abzielte, durch die Kontrolle genetischer Faktoren in der Reproduktion "die Menschheit zu verbessern". Die Sterilisierung wurde aufgrund von "unverkennbar zigeunerischem Aussehen, Psychopathie oder vagabundierender Lebensweise" angeordnet. Während den 1990er Jahren kam es in Schweden zu einem Ansteigen rassistischer Diskriminierung gegenüber Roma.
Roma wurden wiederholt von Campingplätzen und aus Restaurants, Bars und Geschäften verwiesen. Im Jahre 1999 bestätigte der Schwedische Oberste Gerichtshof ein Urteil, dass ein Zutrittsverbot eines Supermarktes für eine Romafrau ungesetzlich sei. Das Gericht erklärte, dass "... dieses Verbot derart formuliert ist, dass es fast ausschließlich auf Frauen aus der Romagruppe zutrifft, genauer noch auf Frauen aus der Gruppe der finnischen Roma".
Finnland
Die Zahl der in Finnland lebenden Roma wird auf rund 10.000 Personen geschätzt.
Die Mehrzahl von ihnen lebt in Klein- und Großstädten im Süden des Landes. Sie leben heute sesshaft in festen Häusern, ziehen aber in den Ferienmonaten bisweilen herum. Wie andere Finnen auch, gehören die meisten Roma der Evangelischen Kirche an. Einige von ihnen sind aktive Mitglieder der Pfingstlergemeinde und anderer nichtkonformistischer christlicher Glaubensgemeinschaften. Im Durchschnitt sind Roma sozial und wirtschaftlich schlechter gestellt als andere Finnen. Die radikale Umstrukturierung der finnischen Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg hat viele der traditionellen Erwerbsmöglichkeiten der Roma zerstört und eine Menge neuer Probleme für sie geschaffen. Dies ist einer der Gründe für die hohen Arbeitslosenraten unter den Roma sowie für ihre soziale Ausgrenzung. In den 1980er Jahren wurden die speziellen staatlichen Förderungen für den Unterricht in der Romani-Sprache und -Kultur bereitgestellt, außerdem wurden spezielle Maßnahmen eingeleitet, um die wirtschaftliche und soziale Position der Roma sowie ihre schulische Ausbildung zu verbessern. Ein Zusatz zur finnischen Verfassung bekräftigte im Jahre 1995 das Verbot rassischer Diskriminierung sowie das Recht der Roma auf ihre eigene Sprache und Kultur. Die Schulgesetzgebung wurde novelliert, um den Unterricht in der Muttersprache Romani in Schulen sowie deren Gebrauch als Unterrichtssprache selbst zu ermöglichen. Gleichzeitig begann man wöchentliche Nachrichtensendungen in Romani im öffentlich-
rechtlichen Radio auszustrahlen. Seit 1999 hat Finnland wiederholt Roma-Flüchtlingen aus zentraleuropäischen Ländern das Asyl verweigert.
Norwegen
Die Anzahl der norwegischen Roma wird auf rund 5.000 Personen geschätzt.
Wiederholt wurde von rassistischen Angriffen auf Roma und von Diskriminierung berichtet. Nachweislich wurde ihnen der Zutritt zu Campingplätzen verweigert oder sie von dort mit der Begründung verwiesen, dass sie "Tartere" – d.h. Tartaren – seien. "Tartere" ist eine übliche, herabwürdigende Bezeichnung der norwegischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber Roma. Anstrengungen zur Eindämmung der rassistischen Diskriminierung sind weitgehend erfolglos. Im Jahre 1999 erklärte der oberste norwegische Gerichtshof diskriminierende Bezeichnungen wie "Ausländer unerwünscht" und "Nur Weiße" im Zusammenhang mit Wohnungs- und Grundstücksannoncen für zulässig. 1996 wurden 170 polnische asylsuchende Roma deportiert, nachdem es den Roma nicht gelungen war, die norwegischen Behörden davon zu überzeugen, dass ihre Angst vor Verfolgung im Heimatland begründet sei.
(Quelle: Gerhard Baumgartner, Florian Freund: Roma-Politik in Österreich, in der EU und im übrigen Europa
Hg: Kulturverein Österreichischer Roma, Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas im Europäischen Parlament) |